Bücher selbst fotografieren
In vielen Archiven, Lesesälen und Sondersammlungen sind Scanner nicht erlaubt, das Handy aber schon. Das genügt: Ein heutiges Handy macht Aufnahmen, aus denen die Texterkennung gute Ergebnisse holt – wenn beim Fotografieren ein paar Dinge stimmen. Alles, was dabei schiefgeht, muss später repariert werden. Eine gute Aufnahme spart die ganze Nachbearbeitung.
Das Wichtigste: jede Seite einzeln
Fotografieren Sie erst die linke, dann die rechte Seite, jede für sich. Das sind doppelt so viele Aufnahmen, aber es gibt hinterher nichts zu trennen, und jede Seite füllt das Bild. Das ist der wichtigste Rat überhaupt.
Sind es doch Doppelseiten geworden, ist das kein Unglück: Scans vorbereiten teilt sie – siehe PDF oder Bilder einlesen.
Kamera und Buch
- Die Kamera parallel zur Seite halten, nicht schräg von oben. Am einfachsten: das Handy über die Seite halten und so lange neigen, bis die Ränder der Seite parallel zu den Rändern des Bildes stehen.
- Das Buch so flach wie möglich. Halten Sie sich an die Regeln des Lesesaals (Buchkissen, Keile, Beschwerer) und drücken Sie ein altes Buch nie mit Gewalt auf. Wo eine Seite nicht liegen bleibt, halten Sie sie mit dem Finger am äußeren Rand – dort stört er nicht im Text, und Scans vorbereiten malt ihn weiß über (Häkchen Dunkle Ränder und Finger entfernen).
- Hochformat, das Handy ruhig halten. Zum Scharfstellen auf die Mitte der Seite tippen.
Die Seite füllt das Bild
Die Texterkennung braucht etwa 300 Bildpunkte je Zoll. Faustregel: Eine Buchseite von 15 cm Breite braucht etwa 1800 Bildpunkte in der Breite. Jedes heutige Handy schafft das mühelos, wenn die Seite das Bild füllt – aber nicht, wenn sie klein in der Mitte liegt und ringsum der halbe Tisch zu sehen ist. Gehen Sie also nahe heran, bis nur noch ein schmaler Rand um die Seite bleibt. Nicht mit dem Finger heranzoomen: Das vergrößert nur das Bild, nicht die Schärfe – lieber das Handy näher halten.
Kleine Schrift, Fußnoten und Fraktur danken es, wenn Sie lieber noch etwas näher gehen.
Licht
- Gleichmäßig – die ganze Seite gleich hell, keine helle und keine dunkle Hälfte.
- Kein Blitz. Er spiegelt auf glattem Papier und ist in vielen Lesesälen ohnehin verboten.
- Nicht im eigenen Schatten. Wer sich über das Buch beugt, wirft oft einen Schatten auf die Seite. Stellen Sie sich so, dass das Licht von der Seite oder von vorn kommt.
- Am Fenster ist das Licht meist am besten – aber ohne direkte Sonne, die harte Schatten wirft.
Reihenfolge, Dateiformat und Dateinamen
- Alle Seiten eines Buchs in einen Ordner, und nichts anderes darin.
- Die Dateinamen müssen in Seitenreihenfolge sortieren. Das Handy nummeriert von selbst fortlaufend
(
IMG_0001.jpg,IMG_0002.jpg…); wenn Sie der Reihe nach fotografieren, stimmt das. Haben Sie eine Seite zweimal aufgenommen, löschen Sie die schlechtere Aufnahme vor dem Einlesen – sonst steht die Seite doppelt im Buch. - iPhone: Fotos als JPEG. Das iPhone speichert Fotos gewöhnlich im Format HEIC, das der Fraktur-Korrektor nicht lesen kann. Stellen Sie deshalb vor dem Fotografieren um: Einstellungen → Kamera → Formate → Maximale Kompatibilität. Schon aufgenommene Fotos wandelt das iPhone beim Übertragen per Kabel auf einen Mac oder PC von selbst in JPEG um, solange unter Einstellungen → Apps → Fotos ganz unten Automatisch (nicht Originale behalten) gewählt ist. Androidhandys speichern ohnehin JPEG.
Einlesen: in der Bibliothek Öffnen … → Ordner wählen … und den Ordner zeigen. Das Programm liest die Bilder in der Reihenfolge ihrer Namen ein – weiter geht es wie unter PDF oder Bilder einlesen.
Erst eine Probe
Bevor Sie 300 Seiten im Lesesaal fotografieren: zwei, drei Seiten aufnehmen, einlesen und die Ampel ansehen. Ist sie grün, fotografieren Sie weiter wie bisher. Ist sie gelb oder rot, liegt es fast immer an einem der Punkte oben – meist ist die Seite zu klein im Bild, schief oder unscharf. Das lässt sich jetzt noch ändern; nach dem Besuch im Archiv nicht mehr.
Wenn es doch Doppelseiten sind
- Scans vorbereiten (eingebaut, ein Klick) teilt Doppelseiten, richtet schiefe Seiten gerade und entfernt dunkle Ränder und Finger am Rand: PDF oder Bilder einlesen.
- ScanTailor hilft darüber hinaus bei Seiten, die zum Bund hin gewölbt sind, bei Flecken und ungleichmäßigem Licht – ein eigenes Programm mit mehr Handarbeit: Werkzeuge installieren.
Buch-Scan-Apps
Es gibt Apps fürs Handy, die schon beim Fotografieren Doppelseiten teilen, die Wölbung zum Bund hin glätten und Finger wegretuschieren – etwa vFlat Scan (Android und iPhone). Zum Ausprobieren kostenlos; für ganze Bücher braucht man ein Abonnement, im App Store im September 2026 etwa 4 bis 5 US-Dollar im Monat oder 36 bis 40 im Jahr. Die Bilder aus einer solchen App lassen sich wie jedes andere PDF oder jeder Bilderordner einlesen.
Bedenken Sie dabei: Die Fotos laufen durch die App eines fremden Anbieters, und ob sie das Handy dabei verlassen, legt der Anbieter nicht offen. Für Archivgut, das Sie nur unter Auflagen fotografieren dürfen, fragen Sie im Zweifel vorher nach. Der Fraktur-Korrektor selbst schickt nichts ins Internet.